Ein Hund während des Studiums? Der Vierbeiner schenkt Freude, bringt jedoch auch viel Arbeit und eine große Portion Verantwortung mit sich: Eine ehemalige Studentin gibt Einblicke in ihr neues Leben mit Labrador Carl. Sie erklärt, welche Gründe für sie gegen einen Hund während des Studiums gesprochen haben.
Eine Hand im Fell, die andere am hellerleuchteten PC. Leandra L. ist 27 Jahre alt und hat vor einem Jahr das Jurastudium beendet. Nun geht sie einem Vollzeitjob nach und hat einen zehn Monate alten Hund. Mit dem Wunsch nach dem Vierbeiner steht die Juristin nicht alleine da. Laut Statista ist der Hund nach der Katze das zweitbeliebteste Haustier Österreichs. Aus weiteren Statistiken geht hervor, dass im Jahr 2022 jede elfte studierende Person einen Hund besessen hat. Die Juristin lässt sich nicht in diese Kategorie einordnen – den Hund hat sie sich bewusst erst nach dem Studium angeschafft.
„Wenn er um 6:00 Uhr morgens Pipi-Kaka Zeit hat, dann ist um 6:00 Uhr Pipi-Kaka Zeit“, erläutert Leandra L.. Schon zu früher Stunde verlangt der junge Labrador Carl nach seiner alltäglichen ‚Morgentoilette‘. Dafür schlüpft seine Besitzerin bereits in aller Frühe in ihre Schuhe. „Der Alltag mit einem Hund verlangt eben nach einer klaren Struktur“, erklärt die studierte Juristin. Zudem erzählt sie, dass der junge Vierbeiner täglich, neben insgesamt zwei Stunden spazieren gehen, auch eine geistige Auslastung benötige, wofür sie mindestens weitere 15 Minuten pro Tag für die Erziehung des Hundes einplane. Kuscheleinheiten, Spaß und Spiel im Alltag dürften dabei auch nicht fehlen, sagt Leandra L..
In ihrer Berechnung kommt die Hundebesitzerin auf mindestens zweieinhalb Stunden an reiner Aufmerksamkeit, die Carli täglich von ihr verlangt. Dabei erklärt sie, dass sich dies bei Welpen um einiges intensiver als bei älteren, schon erzogenen Hunden gestalten würde. „In den ersten Monaten verändert sich alles“, erinnert sich die ehemalige Studentin. Welpen seien nicht nur um einiges verspielter, auch seien die jungen Vierbeiner noch nicht stubenrein, was nach dem richtigen Timing verlange, erinnert sich Leandra zudem. Auch stehen feste Termine, wie Spielstunden für die Sozialisierung des Hundes und die Hundeschule für eine gute Erziehung auf Carls Wochenplan. Rückblickend, erzählt die 27-jährige, hätte ein Hund neben Arbeit und zwischen Vorlesungen an nahezu jedem Wochentag keinen Platz gefunden. Auch wären Dinge wie das einsemestrige Auslandsstudium „niemals möglich gewesen“, erklärt Leandra L..
Wie hoch die Auslastung eines Hundes sein darf, ist nach Martin Rütter von dem Gewicht, der Rasse und dem Alter des Hundes abhängig. Laut dem Deutschen Retriever Club e.V. ist der Labrador ein Jagdhund, welcher eine besonders aufgeweckte Rasse ist und nach ausreichender Förderung und Bewegung verlangt. Eine Expertenseite für Labradore gibt dabei an, dass ein ausgewachsener Hund dieser Rasse zwischen zwei und zweieinhalb Stunden Bewegung, verteilt auf drei Spaziergänge, braucht. Kleinere Hunderassen benötigen kürzere Spaziergehrunden, sollten dennoch mehrmals täglich ausgeführt werden, erläutert ein Online-Beitrag auf Wanderpfote.com. Eine weitere Website zur Hundefitness gibt an, dass auch ältere oder sehr schwere Vierbeiner weniger belastbar sind. Sehr anspruchsvolle Spaziergehstrecken oder Laufrunden könnten diese Hunde demnach überfordern.
Zu Bedenken seien außerdem Kostenpunkte, die mit der Hundehaltung einhergehen, betont die interviewte Person. Neben der Erstausstattung wie Bettchen, Halsbänder, Futternapf und Co hat Leandra L. ebenfalls laufende Fixkosten für Futter, Versicherungen und Steuern zu tragen. Ausgaben für die Hundeschule oder für eine Urlaubsbetreuung seien zudem nicht unbedeutend, ergänzt sie. Auch bei einem Urlaub mit Hund sollten zusätzliche Kosten, wie z.B. eine Urlaubspauschale in Hotels, mit in Betracht gezogen werden, wie die ehemalige Studierende bestätigt.
Folgende Kosten hat Leandra L. monatlich im Durchschnitt für ihren Labrador zu entrichten:
| Steuern | 45 € |
| Haftpflichtversicherung | 15 € |
| OP-Versicherung (optional) | 25 € |
| Futterkosten | ~ 35 € |
| Leckerlies & Spielzeuge | ~ 50 € |
| Tierarztkosten (umgelegt auf die Monate) | ~ 50 € |
Auch sollten unerwartete Kosten im Budget enthalten sein: „Er hat anfangs unerwartet viele seiner Hundebettchen kaputt gemacht“, erzählt Leandra L.. Auch können ungeplante Tierarztkosten auftreten, die nicht von einer Versicherung abgedeckt werden: Eine kleine Op könne sich dabei schon einmal auf 350 € belaufen, nennt die Hundebesitzerin als Beispiel. Ein finanzieller Puffer sei deswegen nicht nur ratsam, sondern notwendig, was für Leandra L. während ihres Studiums nach eigenen Worten „nicht stemmbar“ gewesen wäre.
„Ich sammle schon vor Mittag meine 10.000 Schritte“ erzählt Leandra, als sie von ihrer täglichen Routine mit Hund berichtet. Das ist nicht nur wichtig für das Tier, auch für Menschen wirkt sich eine regelmäßige Bewegung an der frischen Luft positiv auf den Körper aus, belegt eine Studie aus dem Jahr 2015. Die Untersuchung mit über 300.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern konnte feststellen, dass das Spazierengehen das Leben verlängern kann. Eine weitere Untersuchung über elf Jahre mit 34.000 Probandinnen und Probanden aus Norwegen stellte dazu fest, dass ein einstündiger Spaziergang pro Woche das Risiko, an Depressionen zu erkranken, senken kann. Auch reichen bereits zwölf Minuten Gehen an der frischen Luft aus, um eine vitalisierende Wirkung hervorzurufen, wie es eine US-amerikanische Untersuchung darlegt.
Ausreichende Bewegung ist nicht nur gut für Hunde. Nein, dies zählt unter anderem zur artgerechten Haltung und ist laut der zweiten Tierhaltungsverordnung gesetzlich vorgeschrieben. Um eine artgerechte Haltung zu gewährleisten, muss laut der Tierhaltungsverordnung, Anlage 1, 1. Haltung von Hunden, dem Tier ausreichend nutzbare Bodenfläche, Frischluft und auch natürliches Tageslicht zur Verfügung gestellt werden. Typische ‚Studentenbuden‘ zwischen 20 und 30 qm könnten diesen Vorgaben häufig nicht gerecht werden, erinnert sich Leandra L.. Außerdem, erzählt die heutige Juristin, wäre in ihrem Studierendenwohnheim „die Haltung von Hunden sowieso verboten gewesen“. Zudem könne sie sich das Leben mit einem Hund in einer WG nicht vorstellen, da stets vieles mit den Mitbewohnern und Mitbewohnerinnen abgesprochen werden müsse, um Konflikte zu vermeiden. Dies sei ihr schlichtweg „zu anstrengend“.
„Anfangs ging es mir sehr schlecht damit, Carl alleine zu lassen. Ich hatte beispielweise Angst davor, dass er sich verletzen oder verschlucken könnte.“ Diese Worte von Leandra L. machen deutlich, mit welchem Pflichtgefühl das Halten eines Hundes einhergeht. Gleichzeitig würden Hundehalterinnen und Hundehalter eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft eingehen, wie es die 27-jährige mit folgenden Worten verdeutlicht: „Carli konnte anfangs nicht alleine bleiben, er hat die ganze Zeit gebellt. Da muss man halt schon schauen, dass man die Nachbarn nicht belästigt. Wäre ich zu dieser Zeit immatrikuliert gewesen oder hätte ich keinen Homeoffice-Job, hätte ich das nicht so einfach lösen können.“ Neben dem Aspekt der Lärmbelästigung sei es der Hundebesitzerin besonders wichtig, Carl grundlegende Kommandos beizubringen. Das gezielte Training und eine ausreichende geistige Auslastung solle den Schutzinstinkt eines Hundes kontrollierbar machen, erklärt Leandra.
Ein Hund, der einen durch das Studium begleitet, erfordert Zeitmanagement, einen finanziellen Hintergrund und „Personen, die einem den Hund auch mal abnehmen können“, bekräftigt Leandra L.. Auf die Frage, was sie Studierenden raten würde, die sich einen Hund anschaffen wollen, antwortet die 27-jährige Juristin lachend: „Abwarten bis das Studium vorbei ist.“