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Zwischen Tastatur und Töpferscheibe: Warum wir analoge Hobbys neu entdecken

  • Bichelmaier
  • Februar 5, 2026
  • 6 minute read
Analoge Hobbys wie das Töpfern stehen für den Wunsch nach Entschleunigung und bewusster Zeit abseits des digitalen Alltags.
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Der Laptop auf dem Schreibtisch vor mir summt leise, während der helle Bildschirm meine Augen langsam ermüden lässt – doch die nächste Deadline rückt immer näher. Die Finger schweben angestrengt über der Tastatur, links leuchtet das Handy mit einer neuen Benachrichtigung auf. Die Smartwatch an meinem Handgelenk vibriert dringlich, um mich an die neue Aufgabe zu erinnern. Ein Alltag wie dieser scheint für viele Studierende digital geprägt zu sein – immer schneller, effizienter und dennoch kräftezehrend. Gleichzeitig gibt es eine entschleunigende Gegenbewegung, die zunehmend an Beliebtheit gewinnt: Analoge Hobbys wie Töpfern, Malen und Heimwerken werden neu entdeckt. Doch woher kommt die neue Faszination für diese vermeintlich altmodischen Beschäftigungen? Auf der Suche nach Antworten führt der Weg in einen Töpferkurs, der Ruhe und Kreativität verspricht. 

Versteckt in einer unscheinbaren Gasse lädt das Töpferstudio für einen kreativen Austausch ein. Der überschaubare Eingangsbereich begrüßt die Besucherinnen und Besucher mit charmanten Sprüchen auf schwarzen Schieferplatten. Hier in der Potteria in Wien treffen an einem winterlichen Freitagnachmittag allerlei Menschen aufeinander, um ein gemeinsames Hobby zu teilen. Auch Fresh Ceramics in Wien und das Studio Blau in Salzburg sind begehrte Treffpunkte. Von Co-Working-Spaces über Schnupper- und Intensivkurse bis hin zu Einzel- und Gruppenangeboten sind Töpferkurse für Anfänger und Fortgeschrittene zu finden. Nach einem kurzen Moment wird man rasch in den offenen Hauptbereich des Studios weitergeleitet. Nacheinander aufgereiht stehen etwa zehn Töpferscheiben, die mit mir bisher unbekanntem Werkzeug die einladenden Arbeitsplätze bilden. Die Wände sind mit Musterstücken feinster Keramik geschmückt, die die Kreativität ihrer Künstlerinnen und Künstler offenlegt. Der Raum strahlt eine gemütliche Atmosphäre aus. Eng und doch heimelig fühlt man sich an seinem zugewiesenen Platz sofort wohl. 

Kaum hat man seine Position eingenommen, startet die Kursleiterin mit der Frage nach Vorkenntnissen und Erwartungen die Einführung. Sie erklärt zunächst die grundlegenden Regeln im Umgang mit dem Ton: „Luft ist der Feind des Tons.“, warnt sie. Das kann im Brennofen zum Brechen oder Zerspringen des Stückes führen. „Es ist möglich, dass der Ton zum Nachbar fliegt, hinunterfällt oder auseinanderbricht“, fährt sie fort und versichert uns, dass das völlig in Ordnung sei. Die Gesichter aller Teilnehmenden strahlen mit Vorfreude in Erwartung auf die Werke, die nun unter Anleitung kreiert werden. 

Stellvertretend steht der Töpferkurs für eine Vielzahl von Freizeitaktivitäten, die einen Rückzug aus der digitalen Welt ermöglichen. Er bietet dabei die Gelegenheit, das Tempo des Alltags bewusst zu verlangsamen. Der Wunsch nach Entschleunigung spiegelt einen wachsenden Trend in der Gesellschaft wider. Neben Töpfern erleben derzeit auch andere Tätigkeiten wie das Heimwerken einen Aufschwung. So erreichte laut Handelsverband für Heimwerken, Bauen und Garten der Umsatz von Heimwerkermärkten in Österreich im vergangenen Jahr beeindruckende 3,07 Milliarden Euro. Umgerechnet entspricht dies ungefähr 340 Euro für jede Bürgerin und jeden Bürger in Österreich. Zu den häufigsten Tätigkeiten zählen kleinere Reparaturen, Renovierungen und kreative DIY-Projekte. Workshops in Co-Making-Spaces sind besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen nachgefragt, wie diverse Kreativwerkstätten belegen. Im Töpferstudio zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: Am häufigsten vertreten ist die Altersgruppe zwischen 25 und 45 Jahren, erklärt Magnus Moser – der Besitzer der Potteria. Mit 98 Prozent zeigen beinahe ausschließlich Frauen Gefallen an der Beschäftigung. Ein Blick in die Runde bestätigt diese Annahme großteils. Ein Paar im Jugendalter stellt die Ausnahme der Regel dar. 

Es stellt sich die Frage der Bezahlbarkeit einer solchen kostspieligen Aktivität – insbesondere im Hinblick auf die jüngeren Zielgruppen. Mit Durchschnittskosten von 120 bis 150 Euro gelten Töpferkurse oft als teuer, besonders bei zusätzlichen Gebühren für Ton, Glasur und Brennen. Einzeltermine sind günstiger, Kurse mit individuellem Fokus oder hochwertigen Materialien tendieren zu höheren Preisen. Kits für zuhause können hierbei Abhilfe leisten. Einfache Startersets reichen im Durchschnitt von 20 bis 50 Euro. Die Sets von HelloClayre und Sculpd enthalten neben lufttrocknendem Ton auch Farben, Lack und andere Utensilien, um individuelle Kunstwerke zu schaffen. Anleitungen und Online-Workshops erleichtern den Einstieg für Anfängerinnen und Anfänger. Für Fortgeschrittene gibt es erweiterte Kits oder jene mit Mini-Drehscheibe, die sich im Preissegment von 100 bis 300 Euro bewegen. Zu einem Bruchteil der Kosten bieten diese Sets die Möglichkeit, erste Erfahrungen im Töpfern zu sammeln. 

Tätigkeiten wie Töpfern, Malen oder Heimwerken gewinnen an Bedeutung, weil sie Konzentration, Ruhe und Kreativität verbinden.

Das Erlebnis im Studio ist jedoch durch nichts zu ersetzen. Die ersten Schritte bei einem neuen Stück Ton sind noch holprig, aber genau hier zeigt sich der Wert der persönlichen Anweisungen. Die Anordnung der Teilnehmenden im Kreis lenkt den Blick in die Mitte zur Kursleiterin, die die kniffligen Handgriffe an ihrem Tonstück vorzeigt. Hinter ihr, durch die hohe Fensterfront des Studios hindurch, eilen Passantinnen und Passanten ihrem hektischen Alltag nach. Ihre Blicke erhaschen einen Eindruck der warmen Atmosphäre im Inneren. Das monotone Surren der Töpferscheiben füllt den Raum, während wir uns konzentriert unserem Werk widmen. In den umgebundenen schwarzen Schürzen erinnert der Anblick der Gruppe an einen Kochkurs. Mit leicht gebeugtem Rücken und angespanntem Körper stützt man sich kraftvoll mit den Ellenbogen gegen den Ton. Das kühle, weiche Material zwischen den Fingern fühlt sich zunächst ungewohnt an. Zurückversetzt in sorglose Zeiten erinnert es an Knete, mit der man voller Freude im Kindesalter spielte. Hände, Arme und Hose sind übersehen von nassen Tonspuren – sichtbare Zeugen eines kreativen Prozesses. 

Bereits mit der Annahme, dass Töpfern einfacher aussieht als es tatsächlich ist, nehme ich nun selbst die ersten Schwierigkeiten wahr. Mit zu wenig Wasser drücke ich meine Finger kräftig gegen die Töpferscheibe, die bei voller Geschwindigkeit ihre Runden dreht. „Es darf nicht wehtun.“, erinnere ich mich an die Worte der Kursleiterin und passe die Position meiner Hände an. Geteilte Videos und Fotos in den sozialen Medien lassen das Trend-Hobby mühelos erscheinen. Hier wird die Beliebtheit der Tätigkeit ersichtlich: Auf Instagram wurden unter dem Hashtag „pottery“ ganze 19 Millionen Beiträge veröffentlicht, die den Prozess des Töpferns bis hin zu fertigen Tassen, Schalen, Vasen und anderen fantasievollen Werken präsentieren. Die Bilder in den Online-Plattformen vermitteln den Eindruck eines makellosen Prozesses, der in Wirklichkeit eine Menge Geduld und handwerkliches Geschick erfordert. 

Während alle fokussiert an ihren Töpferscheiben arbeiten, bricht plötzlich ein leises Seufzen die Stille. „Oh nein! Jetzt ist es gerissen.“, sagt eine junge Frau betrübt zu ihrem Partner. Vor ihr steht ein unförmiger Becher, dessen Rand unregelmäßig absteht. „Wie schade. Aber dann fang doch einfach noch mal von vorne an.“, ermuntert er sie. Das Hantieren mit dem Material gleicht einem Geben und Nehmen: Übt man zu viel Druck aus, bricht es, ist man zu zaghaft, verändert sich die Form kaum. Dieser Balanceakt, vereint mit dem Wunsch, etwas Schönes zu erschaffen, lässt alles andere unwichtig erscheinen. Das Zeitgefühl ist wie ausgesetzt. Mit dem Pullover, der immer wieder über den Arm rutscht und dem Handtuch auf dem Schoß, das nie so liegen bleibt, wie es soll, lenken die kleinen Unannehmlichkeiten den Fokus nicht ab. Der stetige, gleichbleibende Rhythmus der Töpferscheibe und das Formen der Stücke wirkt entspannend. Andere Teilnehmende teilen diese Empfindung. Die Effekte reichen von beruhigend bis fesselnd, erzählt Magnus. 

Doch wie beliebt ist diese Tätigkeit der eigenen Kreation tatsächlich? Magnus, der seit über zehn Jahren erfolgreich die Potteria in Wien leitet, erläutert den Wandel dahinter: „Wir haben 2009 angefangen und bis 2017 war es ein Auf und Ab. Wir kämpften noch mit dem „Oma“-Image. Ab 2018 wurde es immer besser und es hat sich verdreifacht und nach Corona sind wir explodiert.“ Diese Kurse fördern nicht nur das Erlernen neuer Fertigkeiten, sondern dienen auch der sozialen Interaktion. Neben Quality-Time mit Freunden sind die eigene Erdung und das Schaffen mit den eigenen Händen die Hauptgründe, weshalb das Töpfern so beliebt ist, berichtet Magnus. 

Wer anderweitig seine Hände zum Einsatz bringen möchte, kann sich am Malen üben. Wie die Jugendstudie 2021 vom Institut für Markt- und Sozialanalysen zeigt, ist dieses Hobby besonders in der Altersgruppe der 14- bis 25-Jährigen beliebt. Untersuchungen der Psychologinnen Shaaron Ainsworth und Katharina Scheiter sowie PTAheute belegen, dass regelmäßiges Malen die Feinmotorik verbessert, das Gedächtnis stärkt und die Gehirnleistung unterstützt. Workshops, die alkoholische Getränke und Malen oder Zeichnen unter dem Motto „Drink and Draw“ anbieten, verzeichnen insbesondere in städtischen Gebieten steigende Zahlen an Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern, wie das zunehmende Angebot an jenen Kursen zeigt. Auch hier im Studio darf man sich dem ein oder anderen Kaffee oder Spritzer erfreuen – beispielsweise direkt nach dem gelungenen Töpfererlebnis. 

Analoge Freizeitbeschäftigungen erleben ein Comeback – als Ausgleich zu einem durchgetakteten, digitalen Studien- und Arbeitsalltag.

Auf den letzten Handgriffen löse ich behutsam den aus Ton geschaffenen Becher mit einer dünnen Schnur von der Töpferscheibe. Vorsichtig hebe ich ihn an, um ihn nicht zu beschädigen. Schließlich stehen auf einer kleinen Holzplatte vor mir drei mit Liebe geformte Stücke – eine etwas größere Schüssel, ein hoher Becher und eine zarte flache Schale. Die Kursleiterin nennt uns drei Optionen zum weiteren Vorgehen – das Wegwerfen der sorgfältig kreierten Stücke, das Behalten und eigene Bemalen oder das Glasieren durch das Töpferstudio. Wie viele andere entscheide auch ich mich dafür, es selbst zu gestalten. Doch wie viele Teilnehmende entscheiden sich nach einem Schnupper-Kurs zum Bleiben? Magnus spricht dabei von langfristigen Kundinnen und Kunden: 

Ca. 10% unserer Kunden machen nach unseren Schnupperkursen weiter und landen dann langfristig in unserer offenen Werkstatt. Also ja, wir stellen fest, dass immer mehr unserer KundInnen „picken bleiben“

Magnus Moser verdeutlicht, dass Töpfern mehr als nur ein Zeitvertreib ist. Es bietet einen Rückzug aus der digitalisierten Welt in einen Moment der Ruhe. Beruhigend, fesselnd und erdend zugleich hat dieses Erlebnis viel zu bieten. Vielleicht liegt die Faszination dieser kreativen Beschäftigungen genau darin: Man konzentriert sich auf die gegenwärtige, reale Welt und nimmt sich bewusst Zeit für sich selbst – fernab von grell leuchtenden Bildschirmen und vibrierenden Smartwatches. Der Kurs symbolisiert die Bewegung hin zu Aktivitäten, die uns aus den Anforderungen des digitalen Lebens herausholen. Nach einem erholsamen Abend in angenehmer Atmosphäre verlasse ich das Studio mit Tonflecken auf meiner Hose und trete hinaus in die kühle Dunkelheit. Die Laternen leuchten in die Gesichter vorbeilaufender Passantinnen und Passanten. Während des Versuchs, den Autoschlüssel aus der Hosentasche zu holen, leuchtet das Handy mit einer neuen WhatsApp-Nachricht auf. Ernüchternd stelle ich fest: Zuhause wartet wieder der Alltag auf mich. Mit erschöpften Händen mache ich mich auf den Heimweg – die Freude auf den Termin zum Bemalen meiner schönen Schale im Hinterkopf. 

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