„Studis“ erklären, wie der Studienalltag am Studienbeginn abläuft und wo die Herausforderungen liegen.
Julian ist 22 Jahre alt und studiert seit Oktober Kommunikationswissenschaft (KOWI) in Salzburg. Er wohnt zurzeit im Studierendenwohnheim „Techno_Z“ im Salzburger Stadtbezirk Itzling. Seine Studentenwohnung umfasst 28 m². Dafür bezahlt Julian 505€ im Monat. Betriebskosten und Internet sind im Preis inbegriffen. Beim Einzug musste er 1.400€ Kaution hinterlegen.
Die finanzielle Situation zum Beginn seines Studiums ist für Julian die größte Herausforderung. Er jobbt abends regelmäßig in einem Lokal in Salzburg. Der Verdienst ist bescheiden, aber das Trinkgeld gleicht manches aus. Deswegen nimmt Julian auch die Arbeitszeiten bis spät in die Nacht in Kauf und ist froh, dass diese Arbeitszeit ihm eine freie Zeiteinteilung für seine Vorlesungen ermöglicht. Andererseits kommt er durch den verkürzten Nachtschlaf morgens oft schwer aus dem Bett. Vor allem dann, wenn er vormittags keine Vorlesung hat, schläft er manchmal länger in den Tag hinein, als er es geplant hätte. Dann ist es oft gar nicht so einfach alle Aktivitäten, die er sich für den Tag vorgenommen hat, zeitlich gut unterzubringen.
Bis zum Beginn seines Studiums hat Julian in seinem Elternhaus gewohnt, das knapp 60 Minuten von Salzburg entfernt ist. Es wäre auch eine Option gewesen nach Salzburg zu pendeln, doch für Julian war die Aussicht eine eigene Unterkunft in Salzburg zu haben, die attraktivere Variante. Bisher hat er zur Haushaltsführung neben seinem Schulbesuch eigentlich nur wenig beitragen müssen, da dies vorwiegend seine Mutter übernommen hatte. Er darf ihr nach wie vor regelmäßig seine Wäsche bringen und kann sie gewaschen und gebügelt wieder abholen. Darüber ist er recht froh und hofft, dass er diesen Service noch einige Zeit nutzen kann. Wenn er von zu Hause aus wieder nach Salzburg fährt gibt ihm seine Mutter manchmal auch noch für ein oder zwei Tage vorgekochte Mahlzeiten mit. Zu Hause wird normalerweise mit Bio-Lebensmitteln gekocht, die sich Julian mit seinem Studentenbudget im Moment nicht leisten kann oder will. Wenn er einkauft, greift er eher nach preisgünstigeren Produkten. Manchmal kocht er sich einfache Gerichte, aber oft, wenn es schnell gehen soll, kauft er auch einfach ein Fertiggericht oder geht zu einem asiatischen Takeaway. Das Gefühl sich ungesund zu ernähren hat er aber nicht. Auf Putzen hat er nicht besonders große Lust, aber auch das muss in seiner Studentenwohnung ab und an erledigt werden.
Ebenfalls als Herausforderung beschreibt Julian seine veränderte Situation bezüglich Freundschaften. Er hat zwar keine Probleme neue Kontakte zu knüpfen, doch ihm fehlen die regelmäßigen Treffen mit seinen langjährigen Freunden aus dem Heimatdorf. Der Kontakt ist zwar aufrecht, findet jetzt eher nur über Social Media statt. Julian hat dadurch öfter das Gefühl etwas zu verpassen oder nicht bei allen Events dabei sein zu können.
Ungewohnt ist es auch, dass er sich die Zeit, die er für seine Kursinhalte aufbringen muss, selbst einteilen kann. So passiert es manchmal, dass er zu spät mit einer Arbeit beginnt und den zeitlichen Aufwand dabei unterschätzt. Innerhalb der STEOP-Phase hat er jetzt noch keine Wahlmöglichkeiten bei den Kursen, aber er freut sich schon darauf im nächsten Semester die Vorlesungen nach seinem persönlichen Interesse wählen zu können.
46.500 Studentinnen und Studenten an Universitäten
Laut Statistik Austria hat es im Wintersemester 2023/24 insgesamt 46.589 Neuzulassungen an Österreichs Universitäten gegeben. Rund 26.000 Studentinnen stehen hier 20.000 Studenten gegenüber. An Fachhochschulen haben rund 22.600 Studentinnen und Studenten im Wintersemester 2023/24 ein Studium begonnen. Insgesamt studierten im Wintersemester 2023/24 an Universitäten 262.400 Studentinnen und Studenten. An Fachhochschulen im selben Zeitraum 59.100.
Melanie S: „Genieße die Freiheit in meiner Wohnung!“
Melanie S. (19) erlebt die veränderte Lebenssituation durch den Beginn des Studiums der Biologie vorwiegend positiv. Sie genießt es sehr, statt auf dem Land jetzt in der Stadt wohnen zu können, wo sie das breite Freizeitangebot angefangen von Konzerten bis hin zu einer großen Auswahl an Lokalen sehr schätzt.
Sie lebt wie Julian in einem Studierendenwohnheim, wo sie sich ebenfalls darüber freut einen abgegrenzten Wohnbereich von 25 m2 zur alleinigen Verfügung zu haben. Das Heim befindet sich in der Gaswerkgasse. Die Kosten betragen knapp 700€. Ungestört zu sein, wann immer sie es möchte, ist dabei für sie ein großer Gewinn und Luxus. Zu Hause musste davor einiges mit zwei kleineren Geschwistern geteilt werden und vor allem war der Tag durch häufige Störungen wesentlich unruhiger. Das gibt ihr ein Gefühl von Freiheit, auf das sie auch in Zukunft nicht mehr verzichten möchte. Zurück nach Hause zu ziehen, kommt für sie auch während der Ferien nicht mehr in Frage. Sie hofft sogar bis zum Ende des zweiten Semesters eine günstige kleine Wohnung außerhalb des Studentenwohnheims zu finden.
Über die freie Zeiteinteilung mit wenigen fixen Abgabeterminen freut sich Melanie sehr und die Inhalte der Kurse und Vorlesungen findet sie spannend. Bisher hat sie auf alle Arbeiten sehr gute Bewertungen erhalten und sie ist angenehm überrascht von der Menge an freier Zeit, die ihr trotzdem noch bleibt. Nur der WLAN-Zugang im Unigebäude hat anfangs Probleme verursacht. Nach einem kurzen Besuch bei der ÖH-Beratungsstelle beim Unipark funktionierte alles einwandfrei.
Zu Hause musste Melanie schon seit einigen Jahren immer im Haushalt mithelfen, deshalb kommt sie auch damit gut zurecht sich selbst verpflegen zu müssen. Manchmal kocht sie und oft nutzt sie aber auch, wie oben erwähnt die Vielfalt an Lokalen, wo auch welche dabei sind, die als Lunchmenü, relativ preisgünstige Speisen anbieten.
Finanziell wird Melanie vorwiegend von ihren Großeltern unterstützt, die sich sehr darüber freuen, dass Melanie ein Studium begonnen hat. Auch ihr Vater, der getrennt von ihrer Mutter lebt, überweist ihr regelmäßig Geld. Deswegen muss sie nicht jeden Euro einzeln umdrehen, sondern hat das Gefühl, dass sie gut über die Runden kommt. Für sie ist dieses Leben als Studentin ein völlig neues Lebensgefühl und es ist eigentlich fast so schön, wie sie es sich vorgestellt hat. Deswegen plant sie schon jetzt nach Beendigung des Bachelors ein Masterstudium anzuhängen.
ÖH: „Die Wohnungssituation hat sich verschlechtert“
Das Team des „ÖH“-Beratungszentrums beim Salzburger Unipark erklärt, dass Themen in Bezug auf Mobilität am häufigsten angefragt werden, wie beispielsweise Bus-, Semester-, und Klimatickets.
Persönliche Studienwahlberatungen rangieren ebenso in den Top drei der am meisten nachgefragten Themen. Eine Möglichkeit bietet das Programm „Studieren Probieren“. Dabei können Maturantinnen und Maturanten sich für ausgewählte Lehrveranstaltungen in den angebotenen Fachbereichen der Universität anmelden. Eine Studentin oder ein Student begleitet den Besuch der „Schnupperlehrveranstaltung“ und beantwortet nach diesem Termin Fragen der Maturantin oder des Maturanten.
Auch Anfragen zu den Wohnmöglichkeiten werden gestellt. Elba Frank sieht die Wohnsituation in Salzburg eher kritisch: „Studierendenheime in Salzburg sind alle überbucht. Studentinnen und Studenten aus Drittstaaten müssen für ein Studierendenvisum bereits eine Wohnmöglichkeit in Salzburg vorweisen. Das ist für viele Studentinnen und Studenten eine unüberwindbare Hürde.“