Heute arbeiten und morgen die irischen Klippen von Moher bewundern. Ein Traum, den so einige haben. Frei sein, Neues erleben und sich Herausforderungen stellen – das alles bietet eine Zeit im Ausland. Doch welche Art von Auslandsaufenthalt ist die beste Möglichkeit für die verschiedensten Lebensrealitäten junger Menschen? Drei Zeitpunkte – drei Möglichkeiten. Au Pair, Erasmus und ESK im Überblick.
Viele junge Menschen träumen davon, einen Abschnitt ihres Lebens im Ausland zu verbringen. Die Gründe für diesen Wunsch können vielfältig sein. Eine Zeit im Ausland bereichert das eigene Leben und bietet die Möglichkeit, sich persönlich weiterzuentwickeln. Man lernt ein neues Land kennen, dessen Sprache oftmals kaum gesprochen wird. Neue und interessante Menschen erscheinen auf der Bildfläche und eine bisher unbekannte kulturelle Welt eröffnet sich. Es ist keine Überraschung, dass ein Aufenthalt im Ausland für viele sehr reizvoll erscheint. Doch welche Möglichkeiten bieten sich für junge Menschen, deren finanzielle Möglichkeiten oftmals eher eingeschränkt sind? Im Folgenden werden die Programme Au Pair, Erasmus und der Europäische Solidaritätskorps (ESK) vorgestellt.
Au Pair: Zwischen Kinderbetreuung und Abenteuer
Nach dem Schulabschluss stellt sich vielen die Frage: Warum nicht eine Zeit im Ausland verbringen? Eine besonders beliebte Möglichkeit zwischen dem Ende der Schulzeit und dem Ausbildungsbeginn ist der Au Pair-Aufenthalt. Sophie Hauber (20) wollte vor ihrer Berufsausbildung eben jene Erfahrung machen. So bewarb sie sich über eine Agentur für ein Au Pair in Irlands Hauptstadt Dublin. „Dabei musste ich zuerst Empfehlungen sammeln und weitere Details über mich einreichen. Mein Profil wurde dann den Familien vorgeschlagen, welche mich per E-Mail anschreiben konnten.“ Die Voraussetzungen sind niedrig. Das Alter der Bewerber*innen liegt zwischen 18 und 30 Jahren, die Teilnehmenden sollten Spaß an der Kinderbetreuung haben und sechs bis zwölf Monate im jeweiligen Land verbringen wollen. Dafür werden in der Regel Kost und Logis für den Aufenthalt übernommen. Ein zusätzlicher Bonus für Au Pairs ist das monatliche Taschengeld und die Möglichkeit, einen Sprachkurs zu besuchen. Bekannte Plattformen, um nach Gastfamilien zu suchen, sind beispielsweise AuPairWorld, AuPair.com oder AIFS.

Ein halbes Jahr verbrachte Sophie bei einer irischen Familie, bei der sie für die Betreuung eines kleinen Mädchens zuständig war. Neben vielen positiven Momenten gab es auch negative: „Es ist nicht immer einfach in einer fremden Familie zu leben, wo du nicht wirklich einen Rückzugsort hast und deren Abläufe und Gewohnheiten nicht deinen entsprechen“, erzählt sie. Auch fühlte sie sich von der Familie oft nur als Gast gesehen. In ihrer freien Zeit konnte Sophie das Land erkunden und Irlands Natur erleben. Dabei hat sie auch eine wertvolle Erkenntnis für sich erhalten: „Dadurch, dass ich alleine gereist bin, musste ich oft über meinen Schatten springen, was mich stärker gemacht hat. Für mich ist es nicht einfach, immer für mich selbst einzustehen, was ich in Irland ein bisschen besser gelernt habe.“ Sophies Fazit nach ihrer Reise: „Meine Zeit bei der Gastfamilie war teilweise ein bisschen schwierig. Aber die Zeit in Irland war generell interessant und lehrreich, woraus viele Freundschaften entstanden sind.“
Erasmus: Der Klassiker während des Studiums
„Es ist eine machbare Umstellung und vor allem eine sehr schöne.“
Mit dem EU-Programm Erasmus+ können Studierende in einem der teilnehmenden Programmländern einen Austausch während ihres Studiums machen. Höchstens zwölf Monate darf der Aufenthalt dabei dauern. Dafür entschied sich der Belgier Nicolas Lenz (21). In seinem Heimatland studiert er im Bachelor Political and Social Science. Während des Wintersemesters 2024 absolvierte er sein Erasmus an der Paris Lodron Universität Salzburg (PLUS). „Bei uns ist es eher Standardprogramm im Studium, viele machen das“, so Nicolas. Ihm habe vor allem auch die „europäische Idee dahinter“ gefallen. Das Besondere am Programm ist, dass in dieser Zeit keine Studien-Gebühren an den Gast-Universitäten anfallen. Zusätzlich erhalten Studierende eine monatliche finanzielle Unterstützung, welche je nach Austauschland variiert. Es gibt ein zusätzliches Plus. „Die EU erhöht das Stipendium, wenn man mit den ÖPNV umzieht, um die Umwelt zu schonen“, erzählt er. Nicolas habe mit seinem Erasmus positive Erfahrungen gemacht: „Die Uni hat eine Woche lang Programm vor Semesterstart geboten, damit wir die Stadt kennenlernen. Nach dieser Woche hat man seine Kommilitonen und seine Erasmus Mitstudenten gekannt. Das ist schon super, weil du dann einen viel einfacheren Start hast.“ Der Belgier beschreibt seine Zeit in Salzburg als lehrreich und hilfreich beim Erwachsenwerden. Es habe ihm sogar so gut gefallen, dass er eventuell ein weiteres Erasmus-Semester machen möchte. Lediglich das Heimweh nach zuhause und die „limitierte Zeit“ des Aufenthaltes waren eine Herausforderung für Nicolas. Letzteres führe zu Druck, so viel wie möglich zu erleben. Dennoch empfehle er ein Erasmus-Semester weiter. „Freundschaften mit Gleichgesinnten aus Europa“, so beschreibt er es, werden bleiben.

Mit dem ESK freiwillig durch Europa
Ein weniger bekannter Weg ins Ausland bietet der Freiwilligendienst des Europäischen Solidaritätskorps (ESK). Mittels dieses Programms können Menschen zwischen 18 und 30 Jahren auch nach einem absolvierten Studium kostengünstig Auslandserfahrung sammeln. Nach einer Registrierung beim ESK können Interessierte ein Wunschland, sowie persönliche Interessen und Arbeitsbereiche angeben. Über die Plattform ESK können Unternehmen selbst die Freiwilligen ansprechen – es geht aber auch andersherum. Im neuen Land angekommen, erhalten die Teilnehmenden des ESK ein monatliches Taschengeld und eine bezahlte Unterkunft. Für diesen Weg entschied sich die Spanierin Daniela Quiñonero (29). Nach ihrem Studium der Medienwissenschaft und Journalistik entschloss sie sich für ihren Freiwilligendienst beim Community TV-Sender FS1 in Salzburg. Dort arbeitete sie 2022 für ein Jahr in der Produktion und als Moderatorin. „Zuerst bewarb ich mich für einen Job in Finnland zum Bäume pflanzen. Nach einem Monat bewarb ich mich bei einem Theater in Frankreich und bei FS1.“ Erst dachte Daniela, dass es sich bei der Stelle um einen Fake handeln würde. Doch einen weiteren Monat später meldete sich FS1 bei ihr. Ein Bewerbungsgespräch via Zoom erfolgte. Ihre ESK-Zeit in Salzburg sehe die Spanierin als großen Vorteil für ihr Berufsleben: „Ich denke, die Erfahrung war nützlich für meine Zeit nach FS1. Es ist nicht so einfach in den Journalismus reinzukommen.“ Aber auch der zwischenmenschliche Kontakt und die persönlichen Erfahrungen waren für Daniela bereichernd. Das Programm half ihr dabei, ähnlich wie Nicolas, mit Menschen aus verschiedenen Kulturen Europas in Kontakt zu treten, die ebenfalls am ESK teilnahmen. Eine Zeit, die sie nicht so schnell vergesse: „Ich würde dieses Programm jedem empfehlen!“

Es zeigt sich, dass Auslandsaufenthalte oftmals dabei helfen, über sich hinauszuwachsen. Es gibt nicht nur den einen Weg Ausland zu erleben. Die Optionen sind vielfältig, so wie die Lebenssituationen der Menschen, die sich dafür begeistern. Doch alle haben sie eins gemeinsam: Erfahrungen und Menschen, die sie geprägt haben. Egal ob an irischen Klippen, im Schatten der Festung Salzburgs oder anderen schönen Orten Europas.