Geklonte Stimmen, täuschend echte Videos und gefälschte Botschaften – Künstliche Intelligenz (KI) macht es immer einfacher, Menschen zu imitieren.
Stell dir vor: Ein bekannter Arzt empfiehlt in einem Video ein neues Wundermittel. Er wirkt und klingt authentisch, das Video ist glaubwürdig. Es ist aber nicht echt. Es handelt sich aber um ein Deepfake. Sein Gesicht und seine Stimme wurden mit KI erzeugt. Solche Videos werden immer realistischer und genau darin liegt die Herausforderung.
Deepfakes sind Bild-, Audio- oder Videoaufnahmen, die durch KI manipuliert oder vollständig erstellt werden. Sie sehen echt aus, klingen echt, sind es aber nicht. Besonders bekannte Personen sind oft davon betroffen. Natürlich können Deepfakes auch für kreative und humorvolle Zwecke verwendet werden, trotzdem wächst die Sorge vor dem Missbrauch. Besonders problematisch sind Betrugsfälle, Desinformation und sexualisierte Inhalte ohne Zustimmung und genau dafür werden Deepfakes immer stärker eingesetzt.
Falsche Inhalte können zu Rufschädigung, psychische Belastungen oder Vertrauensverlust führen. Gleichzeitig entsteht eine neue Unsicherheit, denn wenn alles manipuliert sein könnte, wird es schwieriger, zwischen Wahrheit und Fälschung zu unterscheiden.
Der Fall Hirschhausen: Wenn die eigene Identität zur Betrugsmasche wird
Wie konkret die Gefahr geworden ist, zeigt der Fall des Arztes und Moderators Dr. Eckart von Hirschhausen. Tausende Verbraucherinnen und Verbraucher wurden durch gefälschte Werbevideos mit seinem Gesicht und seiner Stimme zum Kauf angeblicher Gesundheitsprodukte gebracht. In diesen Deepfake Videos wurde gezielt das Vertrauen ausgenutzt, dass viele Menschen dem Mediziner entgegenbringen.
In der ARD-Dokumentation „Hirschhausen und die Deepfake-Mafia“ verfolgt Eckhart von Hirschhausen gemeinsam mit investigativen Journalisten und Journalistinnen die Spuren einer international agierenden Betrugsindustrie. Die Recherche führt von Deutschland über Bulgarien bis nach Brasilien und zeigt, wie persönliche Daten ausgewertet und gezielt eingesetzt werden, um vor allem ältere oder gesundheitlich belastete Menschen anzusprechen und zu täuschen.
Wer trägt die Verantwortung?
Mit der Verbreitung von Deepfakes wächst auch die Frage nach der Verantwortung. Großen Plattformen wird vorgeworfen, manipulierte Inhalte und betrügerische Werbung zu langsam zu entfernen. Gleichzeitig stehen Gesetzgeber vor der Herausforderung, mit der schnellen technologischen Entwicklung mitzuhalten.
In Deutschland wurde der rechtliche Schutz mit dem sogenannten § 201b Strafgesetzbuch – auch informell der „Hirschhausen-Paragraph“ genannt – erweitert. Der Paragraph umfasst den Straftatbestand für Deepfakes, Schutz vor kommerziellem Missbrauch und Konsequenzen für Tech-Konzerne. Auf europäischer Ebene wird über strengere Regeln für KI-Anwendungen diskutiert und das Europäische Parlament stimmte einem Verbot bestimmter Anwendungen zur Erstellung sexualisierter Deepfakes zu.
Fachleute betonen aber, dass technische Lösungen allein nicht ausreichen. Medienkompetenz, Aufklärung und Prävention seien entscheidend, um Menschen für Manipulationsversuche zu sensibilisieren.
Kampf um die Glaubwürdigkeit
Deepfakes sind das Ergebnis menschlicher Entscheidungen. Sie werden von Menschen entwickelt, verbreitet und genutzt. Ihr Missbrauch ist somit kein unausweichliches Schicksal, sondern ein durch Menschen entstandenes Problem.
Je realistischer künstlich erzeugte Inhalte werden, desto wichtiger wird die Frage, wem noch vertraut werden kann. Die Gefahr besteht nicht nur darin, dass Fälschungen geglaubt wird, sondern auch, dass echte Inhalte zunehmend angezweifelt werden. In einer digitalen Öffentlichkeit, in der jede Aufnahme manipuliert sein könnte, wird die Suche nach Wahrheit selbst zur Herausforderung.
Wie kann man sich davor schützen?
Der Schutz vor Deepfakes hat zwei Seiten: Einerseits muss verhindert werden, dass selbst auf manipulierte Inhalte hereingefallen wird, andererseits sollte vermieden werden, dass das eigene Bild‑ oder Tonmaterial für Deepfakes missbraucht wird. Videos oder Audios, die stark emotionalisieren oder überraschend wirken, sollten immer hinterfragt werden. Unstimmigkeiten in Mimik, Licht, Schatten oder Stimme können Hinweise auf Manipulation sein. Ebenso wichtig ist es, die Quelle zu prüfen und Inhalte mit anderen seriösen Meldungen abzugleichen.
Genauso wichtig ist der Schutz der eigenen digitalen Identität. Je weniger verwertbares Material öffentlich zugänglich ist, desto schwerer wird es für Angreifende, realistische Deepfakes zu erzeugen. Hochauflösende Portraits, lange Sprachaufnahmen oder private Videos sollten daher nur bewusst geteilt werden. Privatsphäre‑Einstellungen in sozialen Netzwerken, Wasserzeichen oder Overlays erschweren zusätzlich die Nutzung des eigenen Materials für KI‑Modelle. Gleichzeitig schützt eine gut abgesicherte Online‑Identität – etwa durch starke Passwörter und Zwei‑Faktor‑Authentifizierung – davor, dass Fremde Zugriff auf persönliche Inhalte erhalten. Insgesamt entsteht Schutz durch eine Kombination aus kritischer Medienkompetenz, technischer Vorsicht und einem bewussten Umgang mit den eigenen digitalen Spuren.
Quellen:
BMI Deepfakes - Gefahren und Gegenmaßnahmen. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik.
re:publica 26: Echt jetzt? Was Deepfakes mit Menschen, Marken und Marketing machen.
re:publica 26: Josephine B. Schmitt- Deepfake Futures - Was tun, wenn nichts mehr echt ist?
Tagesschau: EU-Parlament will sexualisierte Deepfakes verbieten.
UNESCO: Guidance for generative AI in education and research.
Westdeutscher Rundfunk: Von echten Menschen für echte Menschen – Großes Interesse an „Hirschhausen und die Deepfake-Mafia“.